30 Jahre Deutsche Einheit
Helmut Kohl

30 Jahre Deutsche Einheit

Vereint seit damals. Geeint für morgen.

In diesen Tagen jähren sich die Deutsche Einheit und der Vereinigungsparteitag der CDU zum 30. Mal.

Aus diesem Anlass hat die CDU-Vorsitzende, Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, in einer E-Mail an die Mitglieder der CDU an diese bewegenden Momente der gesamtdeutschen Geschichte erinnert.

Liebe Freundinnen und Freunde,

heute auf den Tag genau vor 30 Jahren zog es 1021 Männer und Frauen nach Hamburg – ihre Aufgabe: Sie waren Delegierte des Parteitags der CDU Deutschlands, der am 1./2. Oktober 1990 in der Freien und Hansestadt tagte. Die Besonderheit: Zum ersten Mal waren nicht nur Delegierte aus der damaligen Bundesrepublik dabei. Ebenso waren Delegierte aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Ost-Berlin dabei. Das gemeinsame Ziel aller Delegierten: Die Verwirklichung der Einheit auch in der CDU Deutschlands.

Besonders bewegend war der Moment, als die Delegierten aus den neu gegründeten Landesverbänden ihren Beitritt zur CDU Deutschlands unter lang anhaltendem Applaus erklärten. Wer dabei war, wird diesen Moment niemals vergessen. Wer nicht dabei war, soll ihn nie vergessen.

Helmut Kohl eröffnete diese historische Zusammenkunft mit den Worten: „Dies sind Tage großer Freude und großer Dankbarkeit. […] Wir alle danken Gott, dass wir diesen Tag erleben dürfen.“ – Dieser Tag war für unsere Partei tatsächlich ein Tag großer Freude. Ein Tag vieler Begegnungen. Ein Tag des Kennenlernens. – Und ein Tag der Wahlen.

Da war der Delegierte, der seine Kandidatur für den Bundesvorstand mit dem bescheidenen Hinweis begründete, „dass ich in dieser Zeit und davor ein bisschen an der deutschen Einheit bauen durfte und dass ich gerne noch ein bisschen weiterbauen möchte.“ Der Name des Delegierten: Wolfgang Schäuble.

Da war die Delegierte, die auf ihrem ersten Parteitag der CDU Deutschlands den Delegierten zurief: „Ich freue mich auf die gemeinsame Arbeit, und ich bin auf den gemeinsamen Weg gespannt.“ Der Name der Delegierten: Angela Merkel.

Zwei Tage später vollzog unsere Nation, was in den Jahrzehnten zuvor ersehnt wurde, im Jahr zuvor von den mutigen Menschen in der DDR erkämpft wurde und in den Wochen und Monaten zuvor vorbereitet, gestaltet und erreicht wurde: Die Vollendung der Einheit unserer Nation in Frieden und Freiheit. Welch ein Glücksmoment in der Geschichte unseres Volkes!

Die gesamtdeutsche CDU und die Wiedervereinigung unserer Nation – welch eine Erfolgsgeschichte. Und gleichzeitig wissen wir heute: Die Euphorie von damals war das eine. Die Anstrengungen, Herausforderungen und Zumutungen des Zusammenwachsens waren das andere. So groß die Brüche und bisweilen auch Verletzungen waren, so stolz können wir nach 30 Jahren auf das Erreichte sein. Und vor allem: Wir wissen um den Mut und die Neugier, ohne die das Zusammenwachsen nicht möglich gewesen wären.

Mut und Neugier – das ist der christdemokratische Zweiklang seit 75 Jahren. Das ist der Zweiklang, der uns selbst immer wieder neu erfinden lässt. Das ist der Zweiklang, mit dem wir unser Land nach vorne bringen, mit dem wir Hindernisse überwinden, mit dem wir unseren Blick auf das richten, was wir gestalten wollen und gestalten können: Die Zukunft.

Deshalb sagen wir nach 30 Jahren Deutsche Einheit: „Vereint seit damals. Geeint für morgen.“ – Und das Morgen unseres Landes braucht uns, so wie die Deutsche Einheit den Mut und die Neugier von Millionen von Menschen brauchte, die unser Land mehr und mehr zusammenrücken ließen. In den vergangenen 30 Jahren leistete unser Land Unglaubliches. Die Herausforderungen waren groß. Auch heute gibt es große Herausforderungen. Und auch heute braucht es dafür Mut und Neugier. Wie gut wir die nächsten drei Jahrzehnte deutscher Einheit erleben, hängt vor allem auch davon ab, wie wir die großen Zukunftsaufgaben meistern.

So wie wir für 30 Jahren angepackt haben, so tun wir das auch heute – gerade wenn die Aufgaben besonders groß sind: Beim wirksamen Schutz unseres Klimas, bei dem Schutz unserer Werte und Interessen in einer unsicheren internationalen Lage, bei der digitalen Wende unseres Landes – von der Wirtschaft und dem Gesundheitssystem über die Landwirtschaft und die Verwaltung bis hin zu Spitzenforschung und Mobilität. Deutschland einig Vaterland – so hieß es vor 30 Jahren. Deutschland digitales, sicheres und klimafreundliches Zukunftsland – das ist unser Anspruch fürs Morgen.

In diesem Sinne können wir heute 30 Jahre gesamtdeutsche CDU Deutschlands feiern. In diesem Sinne können wir am Samstag 30 Jahre Deutsche Einheit feiern. Und in diesem Sinne können und müssen wir jeden Tag aufs Neue ans Werk für ein gutes Morgen gehen: mit Mut und Neugier!

Mit freundlichen Grüßen

Bundesministerin
Annegret Kramp-Karrenbauer
Vorsitzende der CDU Deutschlands