CDU Ilm-Kreis

Termine

Vom Jungkommunisten zum Dissidenten

05.03.2010

 

In der Februar-Veranstaltung der CDU Senioren Union in Ilmenau sprach vor  etwa 70 Mitgliedern und Freunden der Senioren Union Herr Klaus Schmude aus Ilmenau. Die Versammlungsleiterin hatte er gebeten, Auszüge aus seiner Stasiakte vorzulesen. Er berichtete als Zeitzeuge darüber, wie er bereits in der Jugend von erlebter Willkür, Angst, Ohnmacht und politischer Haft im DDR-Zuchthaus geprägt wurde.

Geboren 1939 in Weißwasser in einer kommunistischen Familie, sein Vater war Mitglied der KPD gewesen und in der NS-Zeit im KZ inhaftiert. Schmude wurde im kommunistischen Sinne erzogen, seine Eltern, beide SED-Mitglieder, wollten den Kommunismus aufbauen. Nach der Schulzeit ging Schmude in die Lehre und hatte ein Studium als Agronom geplant. Zuvor wollte er seinen Ehrendienst in der Volksarmee leisten, Wehrpflicht bestand noch nicht.

Klaus Schmude hatte eine 15 Jahre ältere Schwester, mit der er sehr herzlich verbunden war. Diese verliebte sich in einen westdeutschen jungen Mann, heiratete und ging ins Rheinland. Hierdurch entstand der erste schwere Konflikt für Klaus Schmude, denn in der Armee verlangte man von ihm, dass er brieflichen und jeden persönlichen Kontakt zu seiner geliebten Schwester abbrach. In der Hoffnung, niemand würde es bemerken, versuchte er den Kontakt zu ihr aufrecht zu erhalten. Als die Schwester die Eltern besuchte, fuhr auch Schmude nach Weiswasser, um die Schwester zu sehen. Er wurde zum erstenmal vernommen und in der Folge in Unehren aus der Armee entlassen. Dies war für ihn eine Katastrophe. Dieser junge Mensch war nun „gezeichnet“, Unverständnis und Vorwürfe machten sich in ihm breit, ein Studium war nicht mehr möglich. Er wusste keinen Rat mehr und floh 1958 in den Westen zu seiner Schwester. Kurz danach starb der Vater. Die Mutter bat den Sohn 1959 wieder nach Hause zu kommen. Als SED-Mitglied hatte sich die Mutter an die Partei und Polizei gewandt und die Zusage erhalten, ihrem Sohn würde nichts geschehen. Aber dem war nicht so. Bereits an der Grenze wurde er in Eisenach verhaftet und nach Berlin in die Stasi-U Haft in der Magdalenenstrasse gebracht.

Schmude berichtete uns von den Verhörmethoden und den schweren Haftbedingungen, wieder erfüllten ihn Angst und Ohnmacht. 1960 wurde Schmude in Dresden wegen Spionage zu 4 Jahren Haft verurteilt. Er kam in das Zuchthaus Bautzen und zuletzt nach Torgau.

Nach 1989 konnte  Schmude in seinen Stasiunterlagen erstmals die verzweifelten Briefe seiner Mutter an die Behörden lesen, die das Versprechen der Behörden einforderten. Die Frau aber wurde in Unkenntnis gehalten, wo sich ihr Sohn befand.

 

In der berüchtigten Berliner U-Haft in der Magdalenenstraße lernte Schmude den nur wenige Jahre älteren politischen Gefangenen Manfred Smolka kennen und teilte zeitweise die Zelle mit ihm. Smolka wurde in einem Schauprozess (Erfurter Bezirksgericht 1960) zum Tode verurteilt und im Juli 1960 in Leipzig durch das Fallbeil hingerichtet. 1992 wurde das Buch von Klaus Schmude  „Fallbeil - Erziehung - Der Stasi/SED Mord an Manfred Smolka“  veröffentlicht. Schmude schrieb in seinem Vorwort „.. dieses Buch soll ihm (Smolka), der nie ein Grab, nie eine letzte Ruhestätte bekam, ein kleines Denkmal sein...auch stellvertretend für die vielen Opfer, die auf dem Gewalt -und Scheinweg hin zur „klassenlosen Gesellschaft“ ihr Leben lassen mussten“. Nach 1990 wurde Manfred Smolka rehabilitiert.

Nach seiner Haft versuchte Schmude in den 60- und 70igern einen Platz zu finden, Fuß zu fassen. Als ehemaliger  politischer Gefangener stand er unter Kontrolle, alle Bewerbungen wurden abgelehnt, eine normale berufliche Ausbildung wurde verhindert, nur als Hilfsarbeiter war Arbeit möglich, sein Leben wurde geprägt von Angst, Verzweiflung und schließlich von Resignation und Schweigen.

Als Kind und Jugendlicher schrieb er gern Gedichte und später dann Satire politisch-kritischen Inhaltes.  Diese Neigung und Fähigkeit half ihm zu überleben, nicht völlig zu verzweifeln. Aus dem Jungkommunisten wurde der Dissident. Er bekämpfte seine ANGST.

Kleine Veröffentlichungen, Auftritte in kleinem Kreis waren möglich. In der „Wendezeit“ war er aktiv im „Neuen Forum“. Er lebte in Thüringen  und kam über Meiningen nach Ilmenau, 1993 bis 2000 arbeitete Schmude in Hildburghausen am Landesamt für Rehabilitierung und Wiedergutmachung. Nach mehreren Jahren in Erfurt lebt er nun wieder in Ilmenau.

Schmude ist Mitglied der Organisation der „Opfer des Stalinismus“(VOS).

Er trug uns einige seiner Gedichte vor, das beeindruckendste war „Der Klotz“.

Wir lernten Herrn Klaus Schmude als Menschen kennen, der bereits als junger Mann systembedingt Unrecht, Willkür und Gewalt in der SED-Diktatur erlebte. Einmal in die Mühlen des MfS geraten, wurde ihm jede berufliche Entwicklung verwehrt, ständige Beobachtung und diese Angst, wieder im Zuchthaus zu landen, bestimmten sein Leben ganz wesentlich. Er sagte mehrfach, dass diese Angst immer wieder eine große Rolle spielte.

Wir erlebten zwei Stunden, die die Zuhörer sehr bewegt haben, kann doch unsere Generation dieses, sein Leben in der Diktatur  verstehen. Es wurden anschließend sehr viele Fragen an Herrn Schmude gestellt und es wurde ihm gedankt.

Es  war spürbar gewesen, wie schwer es ihm gefallen war, über seine Erlebnisse zu sprechen . Aber er weiß auch, dass er die Kraft dafür finden muss,  besonders gegenüber jungen Menschen ohne Diktaturerfahrung oder gegenüber Menschen aus den alten Bundesländern.

 Wie können wir auf dem Denkmal für die Opfer der Diktatur 1945-1989  an der Ilmenauer Jakobuskirche lesen: „Wer sich seiner Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ 

Dr. Ute Sturm

Kreisvorsitzende der Senioren Union


Dieter Bernet | Senioren Union Ilm-Kreis

Tankred Schipanski
  Demnächst
Derzeit keine Veranstaltungen.
  Mitmachen

  Mitglied werden

  ILM-KREIS KURIER

Alle Ausgaben

 

Kontakt     Impressum